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Willkommen bei "Stillen im Krankenhaus"

Informationen und Hilfe für Eltern und Gesundheitspersonal!

Herzlich willkommen bei STILLEN IM KRANKENHAUS. Wir freuen uns, dass Sie den Weg hier her gefunden haben. Alle Infos, rund ums Stillen in den ersten Tagen, finden Sie hier!

Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: Die Sterne der Nacht, Die Blumen des Tages und die Augen der Kinder.

 

Dante Alighieri (Die göttliche Komödie)

Die meisten Frauen entscheiden sich schon vor Beginn einer

Schwangerschaft, wie sie ihr Baby ernähren möchten. Diese

Entscheidung basiert meist nicht auf Fakten, sondern wird

oft eher unbewusst getroffen. Die Entscheidung hat jedoch weitreichende

Folgen für den gelebten Familienalltag, was Zeitstruktur,

Rollenbilder, Arbeitsteilung, Broterwerb, aber auch die

nächtliche Zuständigkeit angeht. Viele Frauen und auch

ihre Partner gehen einfach selbstverständlich davon aus,

dass ihr Kind gestillt oder nicht gestillt wird.

 

Schauen Sie das Video:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/168#/beitrag/video/1743390/Stillen-im-Wandel-der-Zeit

und auch dieses, von Thorsten Braumöller:

hier zu bestellen.

Wie die Geburt das Stillen beeinflusst

Die meisten Menschen denken, dass die Geburt und das Stillen nicht in direktem Zusammenhang stehen. Dem ist leider nicht so, denn wie und wo Sie gebären, kann das Stillen direkt oder indirekt beeinflussen. Hier sind einige der häufigsten Gründe, inwieweit die verschiedenen Geburtspraktiken das Stillen erschweren können: 

  • Länge des Geburtsprozesses 
    Die Länge der Geburt ist meistens ausserhalb der Kontrolle der Frau. Tatsache ist jedoch, dass ein sehr langer oder sehr kurzer Geburtsprozess das Stillen erschweren kann, denn nach einer langen Wehenarbeit ist das Baby oft sehr erschöpft, während eine sehr kurze Wehenarbeit oft traumatisch ist, besonders wenn in irgendeiner Weise interveniert wurde (Medikamente, Zange, Saugglocke, etc.).  
  • Medikamente während der Geburt 
    Medikamente können, müssen sich aber nicht nachteilig auf die Geburt auswirken.  
  • Frühe Trennung von Mutter und Neugeborenen 
    Die American Academy of Pediatrics (AAP) empfiehlt, dass das Baby unmittelbar nach der Geburt und vorzugsweise innerhalb von 30 Minuten an die Brust gelegt werden soll. In dieser Zeit ist das Baby hellwach und aufnahmebereit. Haut-zu-Haut-Kontakt kann helfen, diesen Prozess zu erleichtern. Werden Mutter und Kind unnötig während dieser Zeit getrennt, kann es eine nachteilige Wirkung auf das Stillen haben. 
  • Absaugen 
    Absaugen ist eine Praxis, die fragwürdig ist in einer normalen vaginalen Geburt, vor allem, wenn der Damm intakt ist. Das Absaugung kann den Mund des Babys irritiert und zu Mikoverletzungen führen. Dies kann bedeuten, dass das Kind nicht stillen will. Am besten nur minimale und schonende Absaugung bei Bedarf durchführen. 
  • Baden                                                                                                                                   Das Baden fällt unter die frühe Trennung zwischen Mutter und Kind und ist völlig unnötig, ja negativ, weil der Geruch des Fruchtwassers damit abgewaschen wird. 
  • Kaiserschnitt 
    Der Kaiserschnitt kann zu einer Verzögerung der Milchproduktion führen und bringt einen höheren Medikamentenkonsum mit sich. Zudem hat die Mutter vermehrt Schmerzen und sie ist immobil. 
  • Geburtseinleitung 
    Die Einleitung der Geburt erhöht, als gravierende Intervention, die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby zu früh geboren wird, bevor es selbst dazu bereit ist. Die Geburt ist damit meist traumatisch für das Baby. Das wirkt sich auf die Stillbereitschaft aus. 
  • Frühgeburt - Frühchen 
    Ein Baby, das früh geboren ist bringt meist eine verminderte Saugfähigkeit mit sich. Die Mutter sollte sofort informiert und animiert werden, ihre Milchproduktion zu stimulieren. Gerade für ein zu früh geborenes baby bedeutet Muttermilch die beste Nahrung und ist Teil der Therapie!       
  • Mehrlinge 
    Je mehr Babys, desto mehr Milch muss die Brust bilden und um so mehr muss die Brust stimuliert werden. Gleichzeitiges Anlegen vereinfacht die Situation, spart Zeit und regt die Milchbildung an. Viele Mehrlinge kommen per Kaiserschnitt auf die Welt oder werden zu früh geboren.       
  • Andere Interventionen 
    Interventionen wie Zange und Saugglocke können das Stillen ebenfalls beeinträchtigen, da es eine invasive Art ist ein Baby auf die Welt zu bringen.

Überwindung von Problemen

Wenn Sie Probleme oder Fragen bezüglich des Stillens haben, hier ein persönlicher Aktionsplan, damit das Stillen doch noch klappt: 

  • Holen Sie sich SOFORT Hilfe.
  • Wenn Sie Zweifel haben, sprechen Sie mit Ihrer Hebamme oder einer ausgebildeteten Still- und Laktationsberaterin. Sie wird Ihnen sagen, ob es ratsam ist, Ihre Milchproduktion durch Gewinnung per Hand oder mittels einer elektrischen Pumpe zu stimulieren. Starten Sie das Pumpen so bald wie möglich nach der Geburt und pumpen Sie alle 2-3 Stunden für 20-30 Minuten beide Brüste ab.
  • Vermeiden Sie Fläschchen und Sauger. Sie können eine Saugirritation beim Baby fördern. Alternative Fütterungsmethoden durch einen Becher, Spritze oder Finger-Fütterung sind empfehlenswert. 
  • Haut zu Haut Kontakt mit Baby ist immer hilfreich, unabhängig vom Problem. 

 

Quelle auf der Basis von: http://pregnancy.about.com/od/gettingstarted/a/birthbreastfeed.htm

 

Lesen Sie hierzu die englische Seite: 

http://www.netplaces.com/pregnancy/blueprint-for-birth-writing-your-birth-plan/

http://www.stillen.org/docs/kongressbericht2002-stillen_nach_periduralanaesthesie.pdf

Stillen ist keine Pflicht, sondern eine natürliche Möglichkeit dem Kind und sich selbst gesundheitliche (seelisch, wie körperliche) Vorteile in allen Facetten zu bieten, wenn man es möchte.

Im Februar 1997 bis Juni 1998 untersuchte die "SuSe"-Studie (Stillen und Säuglingsernährung) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit repräsentativ das Stillen und die Säuglingsernährung in Deutschland. Zentrum des Interesses waren einerseits die Stillbedingungen in den Geburtskliniken und die Stillpraxis der Frauen, andererseits die Gesamternährung der Säuglinge im ersten Lebensjahr. 1717 Mutter-Kind-Paare aus 177 Geburtskliniken (82 % aus den alten Ländern) nahmen an der Studie teil. Dort fand man u.a. heraus, dass innerhalb der ersten drei Tage nach der Geburt 56 % der primär gestillten Säuglinge neben der Muttermilch eine Zusatzfütterung, meistens Kohlenhydratlösungen (49 %), oder Tee (38 %), seltener Säuglingsanfangsnahrung (2,5 %), erhielten. Alternative Füttermethoden kamen gegenüber der Flaschenfütterung (97 %) kaum zum Einsatz. Zusätzliche Flüssigkeit (hauptsächlich Tee) erhielten in den ersten 4 Monaten etwa 50 %.

 

Tipp: In den ersten Tagen und Wochen entscheidet sich, ob das Stillen gelingt oder nicht. Lesen Sie ein Stillbuch und nehmen Sie Kontakt zu einer Hebamme und Stillgruppe auf, denn Ihre Entscheidung beeinflusst und betrifft direkt Ihre Gesundheit und die Gesundheit Ihres Kindes! Bei allen Problemen oder Fragen vor und während der Stillzeit: Bemühen Sie sich unbedingt frühzeitig um Rat bei einer Fachperson. Verlassen Sie sich nicht auf Laienmeinungen und auf Ratschläge von Leuten, die selber kaum oder keinerlei Stillerfahrung haben. Übrigens kann auch ein Arzt ein Stilllaie und die stillerfahrene Mutter von nebenan dagegen eine echte Fachfrau sein!

Internettipp: www.stillen.org (Verband europäischer Laktationsberaterinnen), www.uebersstillen.org, www.stillkinder.de, www.stillkinder-flaschenkinder.de, www.mamisbest.at, www.stilltraum.wg.am, www.stillclub.org

www.koerpergarten.at (Informative private Homepage zum Thema Stillen), http://www.powerband-stillen.de/, www.lalecheleague.org (internationale Stillorganisation), www.afs-stillen.de (Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen), www.stillen.de (Ausbildungszentrum für Laktation und Stillen), www.rabeneltern.org (Informative private Homepage zum Thema Stillen mit Beratung), www.bzga.de/pdf.php?id=81b187b9ac271f197b1f0985cf54166c (Stillen und Muttermilchernährung)

 

Guter Stillstart

Ihr Körper bereitet sich während der Schwangerschaft von selbst auf das Stillen vor. Sie bemerken es dadurch, dass sich Ihre Brüste verändern, sie werden grösser, schwerer und empfindlicher. Bis zur Geburt Ihres Kindes entwickeln sich Ihre Brüste, durch die Einwirkung der Schwangerschaftshormone, zu einem funktionstüchtigem Drüsengewebe. Die Brustwarzen verfärben sich dunkler.

 

Wichtige Hinweise:

  • Damit Sie optimal auf die Stillzeit vorbereitet sind braucht es von Ihrer Seite eine positive Einstellung. Informieren Sie sich über das Stillen. Besprechen Sie Ihr Stillvorhaben mit Ihrem Gynäkologen, Ihrer Hebamme und/oder Stillberaterin.
  • Bereiten Sie Ihre Familie darauf vor, dass Sie stillen werden.
  • Bereits während der Schwangerschaft können kleinere Mengen Vormilch aus Ihrer Brust fliessen. 
  • Ihre Brustwarzen benötigen keine spezielle Vorbereitung auf die Stillzeit, viel frische Luft tun Ihnen gut. Zur Pflege der Brustwarzen ist Wasser zu empfehlen, Seifen, Cremes oder Parfüms sind zu aggressiv.
  • Wunde Brustwarzen können Sie durch korrektes Anlegen des Kindes vorbeugen, Abhärtungsmassnahmen sind nicht zu empfehlen.
  • Es ist Ihnen überlassen, ob Sie einen BH tragen möchten. Falls Sie einen tragen, sollte dieser gut sitzen und keine Bügel enthalten.
  • Haben Sie Flach- oder Hohlwarzen zeigen Sie diese Ihrer Stillberaterin, sie wird Sie beraten und Ihnen falls nötig weiterhelfen. Falls Sie eine Brustoperation hinter sich haben, besprechen Sie dies mit ihrem Gynäkologen und der Hebamme und holen Sie sich Unterstützung durch eine Stillberaterin!

Rooming In

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Das 24-Stunden Rooming-In bietet viele Vorteile für Mutter und Kind denn

  • die Mutter-Kind-Beziehung wird gefördert und dadurch auch das Stillen
     
  • Mutter und Kind lernen sich früher und besser kennen
     
  • die Kinder werden häufiger angelegt, dadurch wird die Milchbildung gefördert
  • Babys weinen weniger, weil sie mehr Hautkontakt erhalten
     
  • Babys werden häufiger angelegt, dadurch
    - wird mehr Vormilch produziert
    - besteht ein erhöhter Infektionsschutz
    - entsteht ein geringerer Gewichtsverlust
    - besteht ein geringeres Risiko von niedrigem Blutzucker
    - wird das Ausscheiden von Kindspech gefördert, die normale Neugeborenengelbsucht geht zurück
    - kommt der Milcheinschuss früher und weniger heftig
    - entstehen weniger Milchstaus und Brustentzündungen
    - wird die Rückbildung der Gebärmutter gefördert- dadurch kommt es zu weniger starken Blutungen
  • Stabilisierung der Körpertemperatur
  • Mütter bekommen mehr Schlaf
  • Mütter lernen ihre Kinder besser kennen
  • Mütter werden sicherer beim Stillen
  • Umstellung zu Hause ist einfacher

 

Stillgruppe

Geschichtliches

Die Primaten sind die Spezies, welche die längste Säugezeiten aufweisen, deren Nachwuchs am langsamsten wächst und eine relativ lange Kindheit hat. Der Mensch gehört biologisch zur Gruppe der Säugetiere (lat. mammalia). Seit 300 Millionen Jahren werden die Neugeborenen aller Säugetiere ausschließlich mit der Milch ihrer Mutter ernährt. Nur sie ist speziell auf die jeweiligen Bedürfnisse des Nachwuchses ausgerichtet und fördert dessen Gesundheit. In der gesamten Evolution und auch heute noch, hat der gestillte Nachwuchs eine größere Überlebenschance durch die gesundheitlichen Vorteile des Stillens. Tee, Glukose oder künstliche Säuglingsnahrung sind nicht vorgesehen. In dieser langen evolutionären Phase wurde die natürliche Ernährung des Nachwuchses absolut optimiert und 98 % aller Frauen könnten stillen, da Mutter und Kind nach der Geburt die biologischen Voraussetzungen für erfolgreiches Stillen mitbringen. Das gilt sowohl für die Milchbildung, als auch für die dazugehörigen Verhaltensweisen, also die Bindung und das Zusammenspiel zwischen Mutter und Kind. Allerdings ermöglicht und gewährleistet erst eine sichere Bindung ausreichende Fürsorge und Stillen, unter anderem auch hormonell bedingt.  

Bis zur jüngsten Vergangenheit hatten Säuglinge in den ersten Monaten nur eine Überlebenschance, wenn sie gestillt wurden, entweder von der leiblichen Mutter oder von einer Ersatzmutter (Amme), da keine adäquate Ersatznahrung zur Verfügung stand. Das mütterliche Stillen, welches während der Jahrtausende die ausschließliche Säuglingsernährung war und auch Nähe und Hautkontakt mit der Mutter garantierte, hat jedoch im Verlauf der Jahrhunderte durch sich wandelnde Lebensumstände merklich an Bedeutung verloren, oder?

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Gedanken der Neurologin Ingrid Olbricht

 

Was bedeutet STILLEN?

 

Sie schreibt in ihrem Buch „Brustansichten“, dass das Stillen in der Bedeutung der nichthierarischen Partnerschaft für das Kind Wichtigkeit, Nähe, Geborgenheit, für die Frau das Erleben von Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeit, Einklang von Funktion und Bedürfnis und oft auch die Befriedigung defizitärer Beziehungserfahrungen bedeutet, die häufig aus der eigenen Kindheit stammen können. Die Fähigkeit des Nähren, so Olbricht, sei zudem eine weibliche Potenz. Sie sagt, dass die Brust als Verbindungs- und Kommunikationsorgan auch entscheidend für die Ausbildung menschlicher Beziehungs- und Kontaktfähigkeit sei. Niemand würde beispielsweise sagen, dass es keine Rolle spiele, ob in der Partnerschaft Sexualität gelebt wird oder nicht. Genauso wenig wäre es gleichgültig für Mutter und Kind, ob gestillt wird oder nicht. Und gerade für Frauen sei das Gefühl und die Erfahrung des „Potent-Seins“, der Fülle und des Reichtums eine Bereicherung. Außerdem ist die Tatsache eine unbedingt lebensnotwendige Fähigkeit zu besitzen, gleichzeitig auch ein Machtfaktor. „Macht und Weiblichkeit sind in unserer Gesellschaft keineswegs kompatibel. Nähren bedeutet Macht und wer eine lebensnotwendige Fähigkeit besitzt, ist damit in der Lage, über Leben und Tod und letztendlich über das Werden oder Nichtwerden des einzelnen Menschen zu entscheiden. Diese Machtfunktion ist uns kaum noch bewusst, so sehr hat die Verbreitung der Flaschennahrung das Stillen entwertet. Muttermilch ist keine Handelsware und somit anscheinend auch kein Wirtschaftsfaktor, der erforscht und gefördert wird. Die Bedeutung des Stillens als Machtfaktor liegt für das Kind darin, die eigene Aggressivität zu entwickeln und sich zu üben: im Verweigern oder Fordern, im Lösen oder Bleiben und ganz direkt im Saugen oder Beißen.

Beim Stillen wird auch die Frau selbst mit ihrer eigenen Macht konfrontiert. Das ist in einer Gesellschaft, in der Macht ausschließlich als männliches Attribut gilt, schwierig anzunehmen, es kann bis zum Rollenkonflikt, zu Ablehnung und sogar Selbstablehnung führen. Meistens aber wird der Machtaspekt völlig verdrängt, wir kennen ihn kaum noch. Frauen kommen beim Stillen aber auch mit ihren eigenen Aggressionen in Berührung, ganz besonders, wenn es reale Gründe dafür gibt, beispielsweise schmerzende Mamillen, oder wenn das Kind beißt, oder wenn vielleicht die Mutter selbst eigene Bedürfnisse oder dringende Tätigkeiten aufschieben soll, weil das Kind Hunger hat. Die Versuchung, die Brust dann zu verweigern und das Kind einfach schreien zu lassen, ist oft recht groß. Außerdem kann die Stillende mit eigenen Symbiosewünschen, mit eigenen unerfüllten emotionalen Bedürfnissen in Berührung kommen, und das kann schmerzhaft sein. Möglicherweise hat sie auch Angst vor der eigenen Befriedigung und Lust, entwickelt deshalb Schuldgefühle und lehnt das Stilen ab oder erfüllt es wie eine lästige Pflicht. Das Stillen ist also nicht nur für die Entwicklung des Selbstwertgefühls und des Körperbildes des Kindes wichtig, sondern auch für die Körpergefühle der Mutter, ihr Gefühl für körperliche Intaktheit und Ganzheit. Ihre Potenz, Macht und Fähigkeit können in dieser engen Beziehung wiedergefunden und weiterentwickelt werden. *

*Quelle: Olbricht, Ingrid: „Brustansichten, Selbstverständnis, Gesundheit und Symbolik eines weiblichen Organs“, Orlanda Verlag 2002, S. 90 f. 

Stillen im Krankenhaus

Eine äußerst hilfreiche Grundlage der Stillrichtlinien im Klinikalltag sind die „Klinischen Leitlinien zur Etablierung des ausschließlichen Stillens in den ersten 14 Lebenstagen von ILCA (International Lactation Consultant Association)“. Sie enthalten 20 Handlungs- Beratungs- und Kontrollstandards für den Stillbeginn, die durch 257 Referenzen abgesichert sind. Auf dieser Basis gemeinsam erarbeitete und umgesetzte Stillrichtlinien, sorgen für einheitliches Vorgehen beim Personal und kontroverse Aussagen an die Mütter werden verhindert.

Auch für eine ärztliche Praxis bedeutet es ein Qualitätskriterium, wenn sie diese interdisziplinäre Zusammenarbeit sucht und von entsprechend geschulten Personen Namen und Telefonnummern an die Patientinnen weitergibt. „Stillen wirkt sich nachweislich auf unser gesamtes Leben schützender aus, als etwa im Erwachsenenalter Sport und Diät.“, betont Andre Golser, niedergelassener Kinderarzt in Salzburg in einem Internetartikel: http://www.springermedizin.at/artikel/14932-die-bedeutung-des-paediaters-in-der-stillzeit. Er wundert sich, weshalb es zum Thema Stillen immer wieder auch in Kreisen der Pädiater zu Diskussionen kommt in Bezug auf Faktoren wie Stilldauer, negative Einflüsse und das Zufüttern in den ersten Lebenstagen, das an vielen Geburtenstationen Standard ist, obwohl kaum ein Thema so gut erforscht und wissenschaftlich belegt ist wie das Stillen. Die vielen Kurz- und Langzeitvorteile sind sehr gut abgesichert, genauso wie die Maßnahmen im Stillmanagement, die eine Stillbeziehung unterstützen können.  

In einer Vorstellung des Runden Tisches zur Stillförderung in Deutschland, die 16 Mitgliedsorganisationen umfasst * und am 9.9.2011 in der Medizinische Hochschule Hannover tagte, wurden gesundheitsökonomische Verluste durch mangelhafte Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern in Deutschland aufgezeigt. Eine Kostenberechnung nach Gerber und Lauterbach 2007 am Beispiel von Otitis Media (Mittelohrentzündung) kam es zu dem Ergebnis, dass 25% der Erkrankung durch Stillen vermieden werden könnte, was eine jährliche Einsparung von € 10,51 Milliarden ausmachen würde.

*AFS (Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen Bundesverband e.V.), AGB (Aktionsgruppe Babynahrung e.V.), AKF (Arbeitskreis Frauengesundheit), AZ L+S (Ausbildungszentrum Laktation und Stillen), BDL (Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen e.V.), BekD e.V. (Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland e.V.), BFHD (Bund freiberuflicher Hebammen Deutschland e.V.), BFHI (Verein zur Unterstützung der WHO/Unicef Initiative „Babyfreundliches Krankenhaus“), DGSPJ (Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin), Deutsche Liga für das Kind, DHV (Deutscher Hebammenverband e.V.), ELACTA (Europäische Laktationsberaterinnen Allianz), EISL (Europäisches Institut für Laktation und Stillen), FBZ (Fortbildungszentrum Bensberg), GfG (Gesellschaft für Geburtsvorbereitung, Familienbildung und Frauengesundheit e.V.), LLL (LaLecheLiga Deutschland e.V.), NSK (Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung)

Gesunde Nahrung von Anfang an

Fast täglich berichten die Medien über die explodierenden Kosten im Gesundheitswesen. Das ärgert uns alle gewaltig, denn die Krankenkassen fordern Einsparungen und die Patienten sollen mehr zahlen. So hat das Vorbeugen (Prävention) einen wichtigen Stellenwert eingenommen. Das Gesundheitsministerium veranstaltet regelmäßig Kampagnen für Vorsorgeuntersuchungen, gegen das Rauchen, Gesundheitstage werden in den Gemeinden abgehalten. Das Thema Stillen im Zusammenhang mit Gesundheit von Mutter und Kind wird jedoch immer noch häufig vernachlässigt. Die meisten von uns wissen genau, dass Gesundheitsprävention bereits bei der Ernährung unserer Jüngsten beginnt. Anhand aktueller Statistiken kann man sehen, dass jedes nicht gestillte Kind in westlichen Ländern im ersten Lebensjahr etwa 400 bis 500 Euro an direkten medizinischen Mehrkosten verursacht. So ist es eine logische Konsequenz, dass eine bundesweite, intensive Stillförderung eingeleitet werden sollte. Eltern sind bezüglich ihres Gesundheitswissens und -verhaltens Multiplikatoren, an denen Kinder modellhaft ihre eigenen gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen für ihr weiteres Leben erlernen. Die Familie kann daher als Keimzelle der Gesundheit und des Lebensstils der Gesellschaft bezeichnet werden. Frühzeitige präventive Maßnahmen, die auf die Verbesserung des Gesundheitsverhaltens der Eltern ausgerichtet sind, können die Lebens- und Entwicklungsbedingungen von Kindern entscheidend verbessern. Immer neue Studien weisen darauf hin, dass nichtgestillte Kinder gesundheitliche Nachteile haben, die zum Teil bis weit in das Erwachsenenalter hineinreichen. Ein weiterer wichtiger Grund das Stilen zu fördern ist, das Wissen, dass Stillen mit biochemischen Prozessen verbunden ist, die der Mutter helfen ihr Kind zu lieben, ihre Motivation stärkt, jede Mühe auf sich zu nehmen, um es zu versorgen und zu beschützen. Für die Frau, die stillen will und das Kind, das gestillt wird, bedeutet der Stillerfolg auch seelisch unglaublich viel. In den USA fanden sich bei gestillten Kindern weniger Todesfälle, auch unfallbedingte im ersten Jahr. Vernachlässigung und Missbrauch kommen signifikant weniger bei gestillten Kindern vor. Stillen ist also in jeder Hinsicht Gesundheitsprävention! Um frühes Wissen zum Thema zu fördern, ist es angezeigt, das Stillen bereits in die Lehrpläne der Grund- und Berufschulen aller Gesundheitsberufe aufgenommen werden müsste. Hebammen gehen zum Teil schon in die Grundschulklassen und lehren dort auf spielerische Weise, was im Leben später tatsächlich wichtig ist zu wissen und dann anwenden zu können. WHO/UNICEF Initiative „Stillfreundliches Krankenhaus“ unterstützt den Ausbau von Stillambulanzen, denn eine höhere Stillrate bedeutet mehr Gesundheit für Kinder und Frauen. Das Beispiel Norwegen macht deutlich, was konsequente Stillförderung auf nationaler Ebene bewirken kann. In Norwegen werden heute 9 von 10 Babys gestillt, alle Geburtskliniken sind „Stillfreundliche Krankenhäuser“ entsprechend den WHO/UNICEF Kriterien. 

 

Um das Stillen wurde und wird heute noch viel Rummel gemacht. 

Tatsache ist, dass sich in anderen Kulturen rund um die Welt eine ausgedehnte Stillzeit, wie auch bei uns früher üblich, bis in die heutige Zeit gerettet hat. Trotzdem geht ständig ein Presserummel pro und kontra Stillförderung durch die Medien. Stillen wird als etwas dargestellt, das entweder Vorteile bringt, oder eben nicht, jedoch nicht, als das, was es ist: die normale Art der Säuglingsernährung. Stillen gehört zur Natur dazu, wie Sex haben und gebären. Die Natur hinsichtlich „besser“ oder „schlechter“ in Frage zu stellen ist unnötig. Klar ist, dass ein Ersatzprodukt immer als Ersatz in Notlagen gedacht sein sollte und nicht als gleichwertige Option zum Original. Stillen ist nicht nur Nahrung, sondern stillt viele Bedürfnisse auf ganz natürliche Weise auch die der Mutter. Stillen ist eine körperliche und seelische Liebesbeziehung, fördert eine gesunde Entwicklung des Kindes und bedeutet auch mütterliche Gesundheit. Es ist eine partnerschaftliche Angelegenheit. Es gibt zwei gleichberechtigte Partner, deren Bedürfnisse gleich wichtig sind. Zwei Körper und zwei Seelen, die sich aufeinander einstellen und voneinander abhängig sind. Muttermilch fließt zudem kostenlos, immer in der richtigen Temperatur und hygienisch einwandfrei direkt vom Körper der Mutter in den des Kindes. Stillen bedeutet den natürlichen Fortlauf der Schwangerschaft und ist die biologische Norm. 

 

Gesundheitsrisiken

Jeder der nahtlos aufeinander folgenden Phasen der Schwangerschaft, Geburt oder Stillzeit, kann in ihrem normalen Verlauf gestört sein. Das ist immer mit Risiken für Mutter und Kind verbunden. Wird ein Kind z.B. zu früh geboren, ist uns allen klar, dass es erhöhten Gesundheitsrisiken ausgesetzt ist. Obwohl die moderne Medizin viel für das Kind tun kann, kann es durch seine frühe Geburt beeinträchtigt sein. Auch weiß heute jeder, dass das Rauchen in der Schwangerschaft dem Kind schwer schadet. Weitaus weniger bekannt ist jedoch, dass Nichtstillen ebenfalls als Risikofaktor für die Gesundheit von Mutter und Kind gilt. Es ist durchaus wichtig, dass die Industrie eine qualitativ hochwertige Ersatznahrung für eine spezielle Zielgruppe, nämlich Frauen die aus unabänderlichen Gründen nicht stillen können und Frauen die nicht stillen wollen, auf dem Markt anbietet, wenn gespendete Frauenmilch nicht (ausreichend) zur Verfügung steht. Für die Frauen, die stillen wollen, es aber aus verschiedenen Gründen nicht geschafft haben, sollte die Lösung nicht Kunstmilch heißen, sondern Hilfe zu bekommen. Hilfe, die sie brauchen um stillen zu können! Aufklärung, Informationen und Unterstützung vom Fachpersonal, was meist auch eine totale Umstrukturierung der Krankenhausabläufe nach sich ziehen müsste, sowie Unterstützung von der gesamten Gesellschaft und dem Staat ist ebenso gefragt. Nicht zu stillen hat, trotz des sicherlich hohen Qualitätsstandards der Ersatznahrung auch heute noch direkte kurz- und langfristige Konsequenzen was die individuelle Gesundheit betrifft, verursacht aber auch immense Kosten für die Gesundheitssysteme, die am Ende wir alle zu tragen haben. Es bringt keinem etwas davor die Augen zu verschließen und uns selbst etwas vorzumachen, auch, wenn es (für einige) vielleicht noch so schön wäre: Muttermilch und künstlich hergestellte Säuglingsmilch sind nicht gleich!

 

Bitte lesen auch:

http://www.afs-stillen.de/front_content.php?idart=674

 

Einige „moderne Stillmythen“

Zwischen zwei Stillmahlzeiten sollten zumindest zwei Stunden verstreichen.

Damit wird das sofortige Reagieren auf die Hungerzeichen durch den Blick auf die Uhr ersetzt. Der steigende Bedarf an Milch kann nicht erfüllt werden. Zusätzlich können anatomische und physiologische Gegebenheiten häufigeres Stillen erforderlich machen. Wird nicht nach Bedarf des Babys gestillt, ist die Folge meist eine zu geringe Milchproduktion und häufiges Weinen des Babys. Das damit zusammenhängende Argument, dass halbverdaute und frische Milch zusammen Koliken auslösen würden, stimmt nicht. Es stammt aus einer Zeit, in der fast alle Babys Flaschennahrung erhielten, die nur in einem bestimmten Abstand gegeben werden durfte, damit sie den kindlichen Verdauungstrakt nicht überforderte. Muttermilch liefert Verdauungsenzyme mit, sodass diese Vermischung kein Problem darstellt.

 

Die stillende Mutter muss auf bestimmte Speisen verzichten.

Das Risiko von Koliken korreliert kaum mit der Art der mütterlichen Ernährung (Lawrence 1999). Wohingegen massive Ernährungseinschränkungen vielen Müttern das Stillen verleiden und damit zu vorzeitigem Abstillen führen können.

Der Nährstoffgehalt der Muttermilch reicht nach dem 3. bis 4. Lebensmonat nicht mehr aus.

Bei ausreichend ernährten Frauen wird die Gesamtkapazität der Milchproduktion in der Regel weit unterschritten (1). Wenn sich das Stillen gut eingespielt hat, besteht in den ersten sechs Lebensmonaten keine Notwendigkeit, andere Nahrung oder Flüssigkeit zuzufüttern. Im Allgemeinen zeigen Säuglinge im Alter von etwa sechs Monaten ein erstes Interesse an Beikost (4). Die Zusammensetzung der Muttermilch passt sich immer an die Bedürfnisse des Kindes an – z.B. Prätermmilch für die Frühgeborenen, Kolostrum für alle Neugeborenen, reife Muttermilch, die das Kind innerhalb von drei bis vier Monaten sein Geburtsgewicht verdoppeln lässt, Milch in der Abstillphase (ab Beikostbeginn) mit vermehrten Antikörpern, Laktoferrin, Lysozym und anderen Schutz- stoffen.

Mit einer Flasche am Abend schläft der Säugling besser.

Durchschlafen scheint ein wesentlicher Meilenstein in der Erziehung des Säuglings zu sein, es entspricht aber nicht den kindlichen Bedürfnissen. Eine vollwertige, gesunde und praktische Ernährungsweise (auch in der Nacht) wird so durch eine minderwertigere Nahrung ersetzt. Die abendliche Flasche verhindert die ausgiebigen Abend- und Nachtmahlzeiten die besonders effektiv den mütterlichen Prolaktinspiegel anheben und reduziert so unter Umständen ungewollt das Milchangebot des folgenden Tages.

 

(Quelle: http://www.springermedizin.at/artikel/14932-die-bedeutung-des-paediaters-in-der-stillzeit)

 

Auch prominente Frauen stillten

Pamela Anderson (mit Implantaten!), Ursula Andress, Christie Brinkley, Courteney Cox-Arquette, Cindy Crawford, Celine Dion, Mia Farrow, Jane Fonda, Jodie Foster, Nelly Furtado, Jennifer Garner, Melissa Gilbert, Jerry Hall, Geri Halliwell, Teri Hatcher, Katie Holmes, Kate Hudson, Helen Hunt, Angelina Jolie, Heidi Klum, Heather Locklear, Sophia Loren, Madonna, Andie McDowell, Elle McPherson, Demi Moore, Julianne Moore, Gwyneth Paltrow, Vanessa Paradis, Sarah Jessica Parker, Connie Selleca, Jane Seymour, (tandem - twins), Cybil Shepherd, Denise Richards, Patricia Richardson, Julia Roberts (tandem - twins), Holly Robinson Peete (tandem - twins), Kelly Preston, Brooke Shields, Britney Spears, Gwen Stefani, Meryl Streep, Jackie Titone (Adam Sandler's wife), Shania Twain, Uma Thurman, Liv Tyler, Kate Winslet, Reese Witherspoon, Natalie Wood, Catherine Zeta-Jones, Queen Elizabeth II of England, Princess Diana of Wales, Princess Grace of Monaco, Princess Caroline of Monaco, Mary of Denmark, Mette Marit of Norway.

 

Weitere Promis kommen im Buch "Gestillte Bedürfnisse" zu Wort.

Stillvideo

verschiedene Stillpositionen