Wer Leben in die Welt setzt, muss es schützen. Er muss es dadurch schützen, dass er die Welt verändert.

Elie Wiesel

Stillen ist zwar die natürlichste Sache der Welt, muss aber dennoch gelernt und geübt werden. Früher wurden die neuen Mütter von ihren Müttern und anderen erfahrenen Frauen, oft innerhalb der Großfamilie, darin angeleitet. Doch heute haben viele Großmütter selbst keine positive Stillerfahrung und so begibt sich die werdende, stillwillige Mutter, spätestens zur Geburt vertrauensvoll in die Hände des Gesundheitspersonals. Hier kommt es maßgeblich darauf an, das und wie eine Schwangere in der Geburtsvorbereitung und im Wochenbett angeleitet und begleitet wird. Es reicht nicht, wenn das Stillen lediglich vom Fachpersonal empfohlen wird oder die Vorteile des Stillens benannt sind, sondern es kommt vor allem darauf an, dass Ihnen konkret geholfen wird, eine positive Stillerfahrung zu machen, indem Ihnen Kenntnisse über die praktischen Aspekte des Stillmanagements vermittelt werden und die Nachteile des Nichtstillens erörtert werden.

Stillgruppen

 

Es gibt seit vielen Jahren Stillgruppen, die von Hebammen, Stillberaterinnen der La Leche Liga (LLL) oder der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS) oder Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC * (*=International Board of Certified Lactation Consultants) geleitet werden. Hier treffen sich Mütter die gerne stillen wollen oder stillen. Sie tauschen sich untereinander aus und können sich mit Fragen an die Gruppenleiterin wenden.

 

 

Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC

haben eine umfangreiche Ausbildung, zusätzlich zu ihrem medizinischen Beruf (Hebamme, Ärztin, Kinderkrankenpflegerin, Gesundheits-und Krankenpflegerin, etc.) und ein umfassendes Stillfachwissen. Die Zusatzausbildung der IBCLC machen nicht nur Frauen, sondern auch mehr und mehr Männer. Die meisten sind Ärzte. Still –und Laktationsberaterinnen sind keineswegs „stillfanatisch“, sondern einige von ihnen haben auch Erfahrungen mit dem Nichtstillen und /oder schwierige Stillsituationen durchlebt. Viele von Ihnen haben aber auch erst durch die Ausbildung, die sie vor oder während der Schwangerschaft absolvierten, eine lange Stillzeit mit ihrem Kind gelebt.

 

Eine Umfrage im Lacnet (deutschsprachige eMail-Diskussionsgruppe zu Themen der Still- und Laktationsberatung) unter den professionellen Stillberaterinnen im März 2012 ergab, dass von 37 Frauen alle, außer zwei Teilnehmerinnen, Stillerfahrungen hatten.

Die kürzeste Stilldauer war 2 Wochen, die längste 7,5 Jahre. Diejenigen, welche angaben, kürzer als gewollt gestillt zu haben (zwei hatten Pump- und Zufütterungserfahrung) erklärten unzureichende Unterstützung und zu wenig Infos gehabt zu haben.

Die meisten hatten die Ausbildung während oder nach ihrer Stillzeit gemacht.

Diejenigen, welche Stillprobleme hatten, hat das Wissen geholfen, Schwierigkeiten bei den folgenden Kindern erfolgreich zu überwinden. 

Die Frage, weshalb die Zusatzausbildung gemacht wurde, haben die meisten mit einem unzureichende Ausbildungswissen im Beruf und eigenem Interesse erklärt, gefolgt von der Krankenhausförderung.

 

IBCLC´s fördern das Stillen und sind kompetent für Fragen rund um die Babyernährung, aber auch Ansprechpartnerinnen für die Frauen, die nicht stillen können oder wollen, da auch sie Unterstützung, hinreichende Informationen benötigen und mit ihren Fragen nicht allein gelassen werden sollen.

 

Nehmen Sie die Möglichkeit der Beratung in Anspruch. Vor jeder neuen Situation, vor jedem wichtigen Entschluss, den man fasst, lässt man sich normalerweise von einer Fachperson beraten, sei es in Finanzangelegenheiten oder beim Kauf einer neuen Einbauküche. So sollte es auch zum Thema Geburt und Babyernährung selbstverständlich sein, eine individuelle Beratung durch eine Fachperson in Anspruch zu nehmen, denn die Entscheidung, wo Sie gebären, ob Sie stillen oder nicht stillen, hat weitreichende Auswirkungen auf Ihre Gesundheit und die Ihres Kindes.

 

Weitere Infos unter:

http://www.stillen-institut.com/de/

http://www.stillen.de

 

Kompetenzbereiche der Still– und Laktationsberaterinnen IBCLC

Die folgenden Kompetenzbereiche beschreiben das besondere Wissen und die Fähigkeiten, die die Tätigkeit beinhalten.

Still– und Laktationsberaterinnen IBCLC

1. besitzen die Fähigkeit, das Wissen und die Einstellung, um eine umfassende, kompetente Beratung und Information der stillenden Familie in Routinefällen wie auch besonderen Stillsituationen vom Zeitpunkt des Kinderwunsches bis über das erste Lebensjahr des Kindes hinaus zu gewährleisten.

2. verstehen zusätzlich Wissen aus folgenden Fachgebieten in ihre Tätigkeit mit einzubeziehen: mütterliche und kindliche Anatomie, Physiologie und Endokrinologie, Ernährungswissenschaften und Biochemie, Immunologie und Infektionskrankheiten, Pathologie, Pharmakologie und Toxikologie, Psychologie, Soziologie und Anthropologie, kindliches Wachstum und Entwicklung, Forschungsinterpretation, ethische und rechtliche Belange, Stilltechnik und öffentliche Gesundheitspflege.

3. wenden bei ihrer Arbeit Beratungsstrategien und Erkenntnisse der Persönlichkeits-, Familien- und

Gruppentheorien an.

4. berücksichtigen im Rahmen ihrer Tätigkeit kulturelle, psychosoziale, ernährungswissenschaftliche und

pharmakologische Aspekte des Stillens.

5. verwenden entsprechende Kommunikationsgrundlagen im Umgang mit stillenden Familien und Gesundheitspersonal.

6. unterhalten eine auf Zusammenarbeit und Unterstützung ausgerichtete Beziehung mit ihren Klientinnen; achten auf individuelle Betreuung und Selbstständigkeit der Familien sowie informierte, eigenverantwortliche Entscheidungen und optimale Gesundheitspflege.

7. setzen sich in der Öffentlichkeit, bei Arbeitgebern und beim medizinischen Personal für das Stillen ein.

8. benutzen die Grundlagen der Erwachsenenbildung bei Informations-/Fortbildungsangeboten für Klientinnen, medizinisches Fachpersonal und die Öffentlichkeit.

9. überprüfen neue Forschungsergebnisse auf ihre Auswirkungen und Anwendbarkeit in der Praxis.

10.arbeiten mit anderen medizinischen Fachleuten zusammen, bieten Folgetreffen an und verweisen an andere medizinische Einrichtungen, wenn es angezeigt ist.

11.führen eine umfassende Klientendokumentation.

12.folgen dem Kodex der Ethik für Still– und Laktationsberaterinnen IBCLC, nationalen Gesetzen und Geboten und achten auf strikte Einhaltung der Hygieneregeln.

13.beachten die Richtlinien für medizinisches Personal, wie im „Internationalen Kodex zur Vermarktung von

Muttermilchersatzprodukten“ beschrieben.

14.sorgen dafür, dass ihr praktisches und theoretisches Wissen durch regelmäßige Weiterbildungen stets auf aktuellem Stand ist.

15. Unterstützen Mütter, die nicht stillen im Bindungsaufbau mit ihrem Kind.

Stillen, auch Teilstillen ist fast immer möglich, bei Berufstätigkeit, Mehrlingen, wie bei den meisten Krankheiten, Medikamenteneinnahmen, Fehlbildungen und Behinderungen. Kontaktieren Sie vor dem Abstillen bitte immer eine Stillfachperson, die Sie beraten und Ihnen helfen kann, die für sie richtige Entscheidung zu treffen. 

 

Wichtige Info zur Medikamenteneinnahme:

Fast für jede Behandlungsindikation lässt sich eine Therapie finden, die das Weiterstillen erlaubt!

 

Bei Fragen und Unsicherheiten kann sich Ihre Ärztin oder Arzt an das Embryonaltoxikologische Institut Berlin wenden:

 

Beratungsstelle für Embryonaltoxologie

Berliner Betriebe für zentrale gesundheitliche Aufgaben (BBGes)

Spandauer Damm 130, 14050 Berlin

Tel: (030) 303081-11, Mo-Fr 9-16 Uhr

Mail: mail@embryotox.de

 

Materialien zum Thema „Rauchfrei werden“ können kostenlos bestellt werden bei der

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 51101 Köln, Mail: order@bzga.de, Fax: 0221-8992257